Rundbriefe
Behauptungen und Lügen
zu Stuttgart 21
Kopfbahnhof 21 - K21
Kritik an S21
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Impressum
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Stuttgart 21-Prospekte: Wie die Bevölkerung angelogen wird
Wer für ein Projekt in der Bevölkerung werben will, der muss es nicht nur in einfachen Worten tun; er muss komplizierte Dinge
auch möglichst vereinfachen. So weit, so gut. Seit 1995 geben mal die Deutsche Bahn, mal das Stuttgarter Rathaus
Broschüren und Werbematerial für Stuttgart 21 heraus, die mal nur halbe Wahrheiten, mal einfach auch pure Lügen
verbreiten. Die offenkundigste Lüge war immer, Stuttgart 21 verkürze die Fahrtzeit nach Ulm von 54 Minuten auf 28 Minuten.
Dass diese Fahrtzeitverkürzung nicht durch Stuttgart 21, sondern nur durch die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm entsteht,
weiß zwar die einigermaßen informierte Bevölkerung; dies hindert Stadt und Bahn aber nicht daran, diese Lüge weiterhin zu
drucken und zu verbreiten.
Man kann es drehen und wenden, neue Namen erfinden, den Leuten ein X für ein U vormachen wollen: Stuttgart 21 geht bis
Wendlingen. Dort beginnt dann die Neubaustrecke nach Ulm. Und wir werden weiterhin von Stuttgart 21 reden, also vom
Abschnitt Feuerbach - Wendlingen, der 7 bis 9 Milliarden Euro kosten wird und keine Zeitersparnis bringt. Im Gegensatz zur
Neubaustrecke, die 2 Milliarden kosten soll und 26 Minuten Reisezeit einspart. Und gegen die keiner etwas hat.
Deshalb nehmen wir das aktuelle Werbeblättchen der DB, des Landes, der Stadt und der Region zum Anlass, diverse
Halbwahrheiten und Lügen zu kommentieren. Dabei beschäftigen wir uns nicht mit Wertungen, sondern nur mit halbwahren
oder falschen Behauptungen in diesem Druckwerk*. Wäre Stuttgart 21 eine Zahncreme oder eine Seife, hätten sich der
Verbraucherschutz oder die Zentrale gegen unlauteren Wettbewerb dieser Sache längst angenommen und diese Art Werbung
abgestellt. Ein Privatmann dürfte nicht derart lügen; Die Bahn, das Land, die Stadt, die Region und manche Medien dürfen es
offenbar.
Und für Interessierte: Wir stellen die "Fähigkeiten" von Stuttgart 21 dem Alternativkonzept Kopfbahnhof 21 gegenüber, das
von Klaus Arnoldi (VCD) federführend entwickelt wurde.
Behauptung, Halbwahrheit, Lüge |
Kommentar |
Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Stuttgart - Ulm
schliessen Stuttgart an das europäische
Hochgeschwindigkeitsnetz an. |
Diese gebetsmühlenhaft wiederholte Behauptung ist lächerlich. Stuttgart ist von Norden - und von dort
kommt das Hauptverkehrsaufkommen - mit der Neubaustrecke Mannheim - Stuttgart und demnächst
auch vom Südwesten her mit der Neubaustrecke Basel - Bruchsal - Stuttgart an das
Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen. Die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm komplettiert diesen
Anschluss Richtung Südosten. Stuttgart 21 hat damit überhaupt nichts zu tun. Stuttgart 21 ist eine - und
zwar die schlechteste - Variante der Verbindung zwischen den Anschlüssen Stuttgart-Feuerbach und
Wendlingen. |
Reisezeiten werden verkürzt durch Stuttgart 21. |
Die angeführten Reisezeitverkürzungen im Regionalverkehr provozieren zwei Fragen: Was, um Gottes
Willen, wollen die Reisenden alle am Flughafen. Es werden Beispiele heran gezogen, die in der Tat jetzt
längere Fahrtzeiten erfordern, aber wollen die Leute denn dahin, wo sie die Bahn hinfahren lässt wegen
ihrer Reisezeitverkürzungsstatistik. Bestimmt nicht. Weit mehr als 90 Prozent der Reisenden im
Regionalverkehr haben den Hauptbahnhof Stuttgart zum Ziel, steigen dort um oder beginnen dort ihre
Reise.
Bei den angegebenen Reisezeitverkürzungen im Fernverkehr werden die Fahrtzeitverkürzungen durch
die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm mit eingerechnet bzw. bei Stuttgart - Paris die
Fahrtzeitverkürzung der noch nicht einmal geplanten Neubaustrecke Beaudrecourt - Strasbourg. So
etwas ist schlicht betrügerisch. |
Der Durchgangsbahnhof hat die doppelte
Leistungsfähigkeit des heutigen Hauptbahnhofs. |
Diese Behauptung beruht auf Gutachten der sogenannten Sachverständigen, allesamt Professoren von
verkehrswissenschaftlichen Instituten. Und was diese Verkehrsprofessoren angeht, so ist und war da
ein ständiges Geben und Nehmen zwischen der DB und deren Instituten. Schauen Sie sich einfach mal
die Seite www.vwi-stuttgart.de an, klicken Sie auf Kuratorium. Dann taucht an zweiter Stelle gleich der
Oberprojektleiter von Stuttgart 21 auf, Reimar Baur. Und noch viele andere mehr. Der Leiter des VWI
Stuttgart, Prof. Ulrich Martin, hat - im Auftrag der DB, versteht sich - brav gerechnet und die
Leistungsfähigkeit von Stuttgart 21 und Kopfbahnhof 21 gerechnet. Die Haltezeiten, die er rechnen
sollte, hat ihm die DB vorgegeben: Beim ICE 2 Minuten für Stuttgart 21, jedoch 4 Minuten für
Kopfbahnhof 21, beim IC 2 Minuten für Stuttgart 21, jedoch 6 Minuten für Kopfbahnhof 21 und beim
Regionalverkehr, auf den ca. 80 Prozent des Verkehrs im Stuttgarter Hauptbahnhof entfallen, 1 Minute
für Stuttgart 21, jedoch 6 Minuten für Kopfbahnhof 21. So kann man "wunderbare" Kapazitäten des
Durchgangsbahnhofes gegenüber jeder Alternative berechnen, noch bessere "Kapazitäten" erhielte man
nur, wenn die Züge gar nicht mehr halten.
Dass Kopfbahnhof 21 ein Integrierter Taktverkehrsknoten ist und damit ähnliche Kapazitäten hat wie
der Züricher Kopfbahnhof, interessierte nicht. Obwohl doch allein ein durchgängiger Integrierter
Taktverkehrsfahrplan (ITF), also ein mit dem Regionalverkehr vertakteter Fernverkehr, ein Konzept
des Schienenverkehrs für die Reisenden ist: Schnell von Tür zu Tür mit kurzen Umsteigezeiten, anstatt
ein paar Vorzeigestrecken mit 300 km/h.
Ein solcher ITF geht nicht mit Stuttgart 21, wo die Züge nur hintereinander rein- und so schnell wie
möglich aufgrund der Verstopfungsgefahr wieder herausfahren müssen. |
Stuttgart braucht eine neue Bahnhofslösung und den
Anschluss an die Neubaustrecke nach Ulm. Und
dazu braucht es Stuttgart 21 und keine halbherzigen
Umbauten, die alles in allem fast genauso teuer sind
und lange nicht so gut. |
Dass die Alternative Kopfbahnhof 21 genauso teuer sei wie Stuttgart 21 und lange nicht so gut, beruht
auf Aussagen von a) Beschäftigten der DB und b) von Verkehrsprofessoren, den sogenannten
"unabhängigen Sachverständigen". Auch der Laie versteht, dass der Umbau des Hauptbahnhofes und
des Gleisvorfeldes wohl kaum genauso viel kosten kann, wie der Neubau von drei neuen Bahnhöfen
(Hauptbahnhof, Flughafenbahnhof und Mittnachtstraße) und das Graben von 38 km Tunnel unter der
Stadt.
Tatsache ist: Kopfbahnhof 21 kostet mit Anschluss Flughafen und Neubaustrecke und gerechnet nach
den Preislisten der Bahn plus 15 Prozent Zuschlag 1,2 Mrd. Euro - also gerade mal
ein Sechstel der Kosten von Stuttgart 21, denn dieses wird nicht unter 7 bis 9 Mrd. Euro zu haben sein. |
Stuttgart 21 schließt die gesamte Filderregion mit
dem neuen Bahnhof Flughafen/Messe an den Fern-
und Regionalverkehr an. |
Mal abgesehen davon, dass die beiden Bahnhöfe am Flughafen später viele Menschen verzweifeln und
in die Irre laufen lassen werden, dass der Flughafenbahnhof nicht am Flughafen, sondern an der Messe
liegt, die Menschen ohne Gepäck (Messebesucher) direkt an der Messe ankommen, die Menschen mit
Gepäck (Flugpassagiere) 250 Meter zum "Check-In" laufen und ihr Gepäck transportieren dürfen, also
mal von all dem abgesehen, erschließen zwei Bahnhöfe keine Filderregion. Denn dazu müssten die
Menschen erst einmal an diese Bahnhöfe kommen. Und das ginge nur, wenn sämtliche Filderbusse mit
erheblichen Zeitverlusten immer beide Bahnhöfe anfahren würden. Die Fahrgäste würden sich
bedanken! |
Paris, Mailand und Zürich, Leipzig und München
sind flach. Deshalb sind dort Kopfbahnhöfe sinnvoll.
Die vielen Hügel um Stuttgart stellen Hürden dar;
Stuttgarts Topographie eignet sich einfach nicht für
einen Kopfbahnhof. |
Vielleicht sollte man die Hügel abtragen? Aber weder haben die StuttgarterInnen, noch die
Bahnreisenden bis jetzt bemerkt, dass sie gar keinen Kopfbahnhof haben, weil sich die Topographie
nicht dafür eignet. Frei nach Morgenstern: "Und Korf bemerkte messerscharf, dass nicht sein kann, was
nicht sein darf." |
Bei Kopfbahnhof 21 sollen zwei zusätzliche Gleise
durch den Schlossgarten gelegt werden. |
Eine glatte Erfindung. Die Alternative sieht vor, ähnlich wie bei Stuttgart 21, zwei Gleise im Tunnel
unterm Rosensteinpark zu bauen und diese dann nördlich des Gleisvorfeldes wieder einzuführen in die
S-Bahn und Regionalbahntrassen. Damit soll die Verbindung nach Bad Cannstatt, die jetzt für Fern-,
Regional- und S-Bahnverkehr nur vier Gleise zur Verfügung hat, entlastet werden.
Oberbürgermeister Schuster hat diesen absonderlichen Quatsch auch schon behauptet. Zur Rede
gestellt von Stadtrat Rockenbauch, sagte er, diese Gleise "verlaufen in etwa parallel zu den heutigen.
Nun ist zu definieren wie weit der Schlossgarten geht". Er ist also nicht einmal bereit, offenkundige
Erfindungen zu korrigieren. |
Kopfbahnhof 21 schließe den Flughafen nicht an den
Fern- und Regionalverkehr an und fahre stattdessen
durch das dicht besiedelte Neckartal bis
Wendlingen. (OB Schuster hatte da noch einen drauf
zu setzen. In einem Interview behauptete er, bei
Kopfbahnhof 21 würden wir mitten durch Esslingen
fahren und jede Menge Häuser abreißen.) |
Kopfbahnhof 21 fährt auf den bisherigen, ausreichenden bzw. ungenutzten Trassen bis Obertürkheim
und überquert dann den Neckar, um bei der Deponie Einöd im Tunnel nach Denkendorf und von dort
entlang der Autobahn nach Wendlingen zu fahren. Und den Flughafen schließt die Alternative mit der
sogenannten "Scharnhauser Kurve" an. Jede Zuggattung kann aus jeder Richtung sowohl den
Hauptbahnhof, als auch den Flughafen anfahren - so es einen Sinn macht, und das tut es halt oft nicht. |
Der Durchgangsbahnhof habe acht Zufahrtsgleise.
Der Kopfbahnhof heute habe nur fünf. |
Der Kopfbahnhof hat heute nur 5, Kopfbahnhof 21 später dann 6 Zulaufgleise, abzüglich der S-Bahn
wären das also 4 Zulaufgleise für Regional-und Fernverkehr. Aber diese zwei theoretischen
S-Bahn-Zulaufgleise bei K21 werden auch vom Regionalverkehr genutzt. Insofern ist die
Zulaufkapazität bei K21 größer als 4. Stuttgart 21 aber hat tatsächlich nur 4 Zulaufgleise. Hier wird
wieder geschwindelt: Es werden Zu- und Ablauf gezählt, also sämtliche 8 Gleise. Man kann aber nur
Birnen mit Birnen vergleichen, also nur Zulauf mit Zulauf. |
Wer ökologisch denkt und ernsthaft mehr Verkehr
auf die Schiene bringen will - der sollte für Stuttgart
21 sein. |
Stuttgart 21 verursacht tiefe Eingriffe in die Umwelt, gefährdet die Mineralquellen und das Grundwasser
und - wegen seiner städtebauliche Folgen - auch das Klima im Talkessel. Und nicht zu vergessen: 12
Jahre Bauzeit mit Lärm, Dreck und Staub. Der größte Teil des Aushubs wird über die Straße nach
Sachsen-Anhalt transportiert.
Außerdem entsteht zusätzlicher Autoverkehr durch die geplanten Einkaufszentren auf dem Gelände von
Stuttgart 21.
Kopfbahnhof 21 benötigt nur wenige Eingriffe in die Umwelt, keine in Mineralquellen und Grundwasser
und erfordert weit weniger Grund- und Tunnelarbeiten. |
Wer den Schlossgarten aufwerten will - der sollte für
Stuttgart 21 sein. Der Schlossgarten wird 20 Hektar
größer. |
Fast die gleiche oder eine gar größere Fläche wird im Mittleren Schlossgarten durch den doch nicht
ganz so tiefen Tiefbahnhof zerstört, d.h. durch Beton versiegelt. Das Bahnhofsdach befindet sich auf
Höhe der Cannstatter Straße 8 Meter hoch über dem Parkniveau. Darauf kommen noch die 6 Meter
hohen Bullaugen. Das Ganze muss annivelliert werden, d.h. vom Biergarten bis zur Schillerstraße wird
der Park zerstört, ca. 280 Bäume Bäume werden gefällt. |
100 Hektar Baufläche stehen zur Verfügung. Ein
großer Teil wird für den Wohnungsbau genutzt. Und
das in attraktiver, zentraler Lage. |
Wie das später auf großen, zentral gelegenen Teilen aussehen wird, kann man auf dem Teilgebiet A1
seit Jahren betrachten. Oder entlang der Heilbronner Straße. Richtig ist, am Park entlang wird es
attraktive Wohnungen geben. Für vermögende Stadtnomaden. Leider nicht für Sie und mich und
Familie Häberle mit ihren drei Kindern. |
Wer Arbeitsplätze in Stuttgart schaffen und sichern
will - der sollte für Stuttgart 21 sein. Sowohl der Bau
als auch die Bebauung und Bewirtschaftung der
freien Flächen bringen neue Impulse für Stadt und
Region. |
Aha, Impulse. Was solche Impulse sind, lassen wir dahingestellt. Arbeitsplätze bringt Stuttgart 21
sicherlich auch. Solche, die woanders abgebaut und vielleicht hierher umgezogen werden. Und viele
Verdienstmöglichkeiten für die Banken und die großen Baukonzerne. Für diese ist Stuttgart 21
geradezu eine Goldgrube (war das mit Impulsen gemeint?). Und die vielen
Sub-Sub-Sub-Sub-Unternehmer verdienen auch etwas, ihre armen Arbeiter aus Osteuropa werden
wohl etwas weniger profitieren. Und hat da irgendjemand etwas von dauerhaften Arbeitsplätzen
gesagt? |
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*6-Seiten-Faltblatt "Fragen und Antworten zum neuen Verkehrskonzept für Stuttgart und die Region". Dieses Blatt wurde sinnigerweise mittels einer ICE-Attrappe auf einem
LKW beworben, ein absolut treffendes Symbol der Bahnpolitik unter Hartmut Mehdorn.
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