HomepageRundbriefe und PressemeldungenKritik an Stuttgart 21Kopfbahnhof 21Geschichte des WiderstandsInteressante Links
23. 04. 2017 :: Druckversion
Suche

< Kundgebung zur Gemeinderatswahl am 21. Mai 2014
21.05.2014 17:34 Alter: 3 yrs

Rede von Gangolf Stocker auf der Kundgebung zur Gemeinderatswahl am 21. Mai 2014


Es ist der 21. Mai – reden wir über S21. Wie ist die Lage? In vier Tagen wählen wir ein neues Stadtparlament. Dieser Gemeinderat wird dann die nächsten fünf Jahre im Amt sein. Und S21 wird in den nächsten fünf Jahren eine entscheidende Rolle spielen. Ob es um Finanzen geht, um den Verkehr, um den Lärm, um die Luft, schlicht, um das Leben in dieser Stadt, immer wird uns der Bagger, die Bohrmaschine begleiten. Die Stadt wird umgegraben werden in den nächsten 5 Jahren – wir sind jetzt erst am Anfang. Und die meisten Parteien und ihre Kandidaten tun so, als gingen sie ihre Beschlüsse der Vergangenheit nichts an. Dabei beginnt jetzt eine Zukunft, in der die bunten S21-Bildchen vergilbte Vergangenheit werden, die Hoffnungen auf eine schöne, schnelle, höhere Zukunft krachend zusammenbrechen. Beschwert Euch nicht – ihr wolltet angelogen werden!

Es ist jetzt entscheidend, wer in den nächsten fünf Jahren im Gemeinderat sitzt. Wir brauchen keine Gemeinderäte, die sich dann verstecken, wenn es brenzlig wird. Wenn es brennt. Weil sie den Brandschutz den Fachleuten überlassen haben, der Verwaltung vertrauen, wie es Fraktionsvorsitzende der SPD mal so trefflich formulierte. Um dann, wenn das Unglück passiert, ihre Verantwortung von sich weisen. Und den ausscheidenden Gemeinderäten sei gesagt, Eure Verantwortung für Eure vergangene Entscheidungen lässt Euch nicht los, denn sie sind die Ursache, dafür verantwortlich, was in den nächsten fünf Jahren hier geschieht. Und lieber Herr Kotz, sie mögen ja ein Laie sein, aber andere Mitbürger haben sich eingearbeitet und verstehen etwas von Brandschutz.

Und eines gilt nie: Jetzt haben wir es angefangen, jetzt bauen wir es halt in Gottes Namen fertig. Die Bahn sagt, heute würden sie so etwas nicht mehr anfangen. Dann macht Schluss!

Weiß jemand, wie es auf diesen Baustellen aussieht? Wann hat zum letzten Mal das Zollamt nachgeschaut? Zum letzten und einzigen Mal, als sie den Nordflügel abgebrochen haben. Dann muss ihnen jemand gesagt haben, das macht ihr nicht noch einmal. Wer war das? Wer kontrolliert eigentlich die Baustellen? Wer die Arbeitsbedingungen? Schon vergessen, die entgleisten Züge? Das Bahnhofsdach, das bei Windstärke 8 drohte einzustürzen?
Es ist – das ist mein Eindruck – einfach peinlich. Man will nicht daran erinnert werden, was man alles an Versprechungen geglaubt hat. Deshalb spricht man in diesem Wahlkampf nicht davon, stattdessen verspricht man flüssigen Verkehr. Das Rosensteinviertel wird es nie geben, weil die Züge nach Fertigstellung von S21 weiterhin den Kopfbahnhof benötigen. Das urbane Leben in Gebiet A1- guckt es euch an. Tote Hose! Aber die Herren Investoren bauen und bauen Büros, Einkaufszentren, Tiefgaragen. Jeder will noch etwas haben von S21. Nur wir, wir haben nix. Längere Wege, wunderschöne Ausblicke auf das Loch und weniger Züge.

S21 ist ein politisches Projekt, egal was es kostet ( es begann mit 2.5 Mrd. Euro und endet bei 9 bis 10 Mrd. – für 2 Minuten Zeiteinsparung für 10 Prozent der Fahrgäste) und egal, ob es funktioniert. Und es funktioniert natürlich nicht, denn der Kopfbahnhof wird notwendig bleiben. Es ist eigentlich ein Projekt für die Staatsanwaltschaft und die Gerichte, aber die beschäftigt sich lieber mit uns. S21 ist ein Projekt der Mafia. Da gibt es wenig Profiteure und viele aktive Mitglieder und Helfer. Und Mitläufer. Aber ohne die Helfershelfer im Gemeinderat funktioniert die Geldmaschine nicht. Herr Kuhn sagt vor 6 Tagen in der StZ: „Ich habe eine Zwei-Drittel-Mehrheit aus CDU, SPD, Freien Wählern du FDP im Rat. In der Demokratie gilt das Mehrheitsprinzip, und daran halte ich fest“. Na also. Sorgen Sie in 4 Tagen dafür, dass dieser Gemeinderat nicht mehr mitspielt. Das ist eine Sache der Ehre!